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Angekommen

Das laute Hupen eines LKWs ließ ihn leicht zusammenzucken. Er murmelte etwas vor sich hin  und zog dabei die Kapuze seines alten schmutzigen Anoraks tiefer ins Gesicht, um sich vor dem eisigen Wind zu schützen. Es war kalt geworden, bitterkalt, und er spürte wie sich die Kälte in seinem Körper ausbreitete, wie sie seine Glieder lähmte und starr werden ließ. Er griff zu seiner Schnapsflasche und trank einen kräftigen Schluck in der Hoffnung, dass ihn der Alkohol ein wenig von innen wärmte oder zumindest  etwas betäubte, damit er wieder einschlafen konnte.

„Wo hab ich denn die anderen Flaschen gelassen“, dachte er laut und suchte seinen Rucksack ab. Als er sie fand, atmete er erleichtert auf. Seine Finger berührten etwas samtiges und er entdeckte den kleinen Samtengel, den ihm heute Morgen ein kleines Mädchen geschenkt hatte. „Heut ist doch Heiligabend“, hatte es gesagt „der Engel soll Sie beschützen“. Er hatte in der Einkaufspassage gesessen und seine Kiste aufgestellt und so nach und nach warfen die hastig vorbeilaufenden Menschen einige Münzen hinein - es war Weihnachten und da passte so ein Obdachloser nicht zur Weihnachtsgans, Geschenke, Licht und Gemütlichkeit. In einigen Augen sah er Besorgnis aufblitzen - wie kann der hier in der Kälte sitzen -  und warfen dann schnell etwas Geld in die Kiste.  Aber die meisten sahen ganz schnell an ihm vorbei, sie wollten sich nicht den heiligen Abend verderben lassen.

Dann kam dieses kleine Mädchen, am Arm ihrer Großmutter. Als sie ihn bemerkte, kam sie zu ihm und fragte warum er hier sitze und nicht bei seiner Familie wäre, heute sei  doch Weihnachten. „Ich habe keine Familie“, hatte er geantwortet. Die Großmutter schaute ihn lange an und steckte ihm dann 10 Euro zu, damit er sich etwas zu Essen kaufen könne. Sie wollte ihn überreden, doch ins Obdachlosenasyl zu gehen, dort hätte er es doch warm und ein Bett für die Nacht. Er versprach ihr, später dort hinzugehen. Das Mädchen schenkte ihm den kleinen roten Samtengel und drehte sich noch einmal nach ihm um und winkte.

Er hatte sich dann von dem Geld zwei Flaschen Schnaps und ein Brot gekauft und ging dann zurück zu dem Brückenpfeiler, der ihm schon seit längerer Zeit als Schlafstätte diente. Er hatte in einer geschützten Ecke einige Pappkartons aufeinander gelegt und einige Wolldecken darauf gestapelt. Und sein Schlafsack hielt ihn ziemlich warm; bis jetzt jedenfalls. Der Winter war eingekehrt und zeigte sich unerbittlich.

Ja, heute war „Heilig Abend!“  Die Menschen saßen im Kreis ihrer Familien in warmen Stuben. Unter  den hell erleuchteten Weihnachtsbäumen stapelten sich die Geschenke und die Gesichter der Kinder leuchteten auf, wenn sie ihr
vom „Christkind „ gewünschtes Spielzeug auspackten.

„Weißt du noch Sophie, vor zwei Jahren haben wir in der kleinen Christuskirche gesessen und der Abendmesse gelauscht. Der Kinderchor sang wunderschön und das Krippenspiel, das aufgeführt wurde, hatte uns viel Freude gemacht. Obwohl du schon von deiner Krankheit gezeichnet warst und dir das Laufen und längere Sitzen schwer fiel, wolltest du unbedingt mit mir in diese Messe gehen. Andächtig lauschtest du den Worten des Pfarrers und deine Augen leuchteten warm und voller Liebe.
Dann ging alles sehr schnell. Einige Tage später konntest du das Bett nicht mehr verlassen und als der Arzt dann bestätigte, dass es mit dir zu Ende geht, saß ich fassungslos und ohnmächtig an deinem Bett, deinen Kopf in meinem Arm gebettet, deine Hand in meiner und wiegte dich in den ewigen Schlaf.

Die Zeit danach war die Hölle für mich. Wie sollte ich ohne dich – meiner geliebten Frau – leben? Ich versuchte meinen Schmerz im Alkohol zu betäuben, was mit der Zeit auch immer besser gelang. Der Alkohol wurde zu meinem Freund. Mit ihm konnte ich mich betäuben und in meiner Traumwelt flüchten; da war ich dir oft ganz nahe.
Leider blieb mein Lebenswandel  nicht ohne Folgen. Mein Arbeitgeber musste mir schließlich kündigen – er hatte mich oft genug verwarnt. Als dann unser Vermieter mich aus unserer Wohnung gerichtlich herausklagte – er hatte Eigenbedarf angemeldet – hatte ich nicht die Kraft, mir ein anderes Zuhause zu suchen. Ohne dich wollte und konnte  ich nicht umziehen und in dieser Wohnung steckten unsere gemeinsam verbrachten glücklichen Jahre und so verschwand ich eines Tages und suchte ich mir unter diesem Brückenpfeiler eine Schlafstätte, wo ich ungestört meinen Gedanken nachgehen konnte. „

Er griff wieder zu seiner Schnapsflasche und nahm einen kräftigen Schluck. Die wärmende Wirkung wollte sich heute nicht einstellen. Er spürte wieder den ziehenden Schmerz, der sich in seiner Brust ausbreitete. Für einen Moment nahm er ihm den Atem und keuchend krümmte er sich zusammen. Schweißperlen standen auf seiner Stirn, obwohl er vor Kälte anfing zu zittern und er zog seine Jacke enger an sich.

Als er etwas später wieder aufsah, sah er direkt in Sophie Augen. Sophie seine geliebte Frau war hier bei ihm !? Magisch wurde er von ihren Augen angezogen, die ihn voller Liebe ansahen  und es war ihm, als spürte er ihren Atem in seinem Gesicht. Ja, sie war es! Es war ihre klare  Stimme, die er ganz klar erkannte: „Richard,  mein Liebster, ja ich bin es wirklich, ich bin bei Dir, bin immer bei Dir gewesen. Keine Sekunde habe ich Dich aus den Augen gelassen, mein Herz. Ich weiß, wie schwer Du unter unserer Trennung leidest, ich kenne Deine Sehnsucht und fühle Deinen Schmerz. Aber jetzt wird alles wieder gut, ich bin wieder bei Dir und werde Dich nie mehr verlassen.“

Er spürte ihre warmen Hände, die zart sein Gesicht umschlossen. Sanft drückte sie seinen Kopf an ihre Brust und ihre Arme umschlossen seinen Körper. Er fühlte eine tiefe Geborgenheit, als sie ihn sanft hin und her schaukelte. Eine wohlige Wärme durchdrang seinen eisigen Körper. Sophie war wieder da, jetzt wurde alles wieder gut.

Spaziergänger fanden ihn am ersten Weihnachtstag. Er war erfroren in dieser eisigen „Heiligen Nacht“. Er lag ganz friedlich in seinem Schlafsack, ein Lächeln stand in  seinem Gesicht.

05.10.2008 Sonja Rabaza

 

2.11.09 15:40
 



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