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Frühling im Herzen

Frühling im Herzen „Mama, sind wir bald da?“, hörte Fatima ihren 4-jährigen Sohn fragen. Sie war nur kurz in einen unruhigen Schlaf gefallen… das monotone Geräusch des Außenbordmotors dieser kleinen Patera, auf dem sie sich mit 40 anderen Passagieren befand, hatte sie eingelullt und erschöpft wie sie war, konnte sie für einen Moment ihre Augen nicht mehr offen halten. Sie legte ihren Arm um Hassan, zog ihn näher zu sich heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Bald mein Sohn, versuche, weiter zu schlafen.“ Müde kuschelte er sich in ihren Arm und sie teilte ihren Mantel um die nächtliche Kälte ein wenig von ihm abzuhalten. Es war still auf dem Holzboot, das eigentlich nur für acht bis zehn Personen bestimmt und somit weit überladen war... Männer, Frauen mit ihren Kindern lagen eng beieinander und niemand wagte sich zu bewegen, da die Außenwände der Patera gefährlich tief die Wasseroberfläche erreichten. Sie kamen zum Teil aus Algerien und Marokko oder wie sie selbst aus der Westsahara und waren verzweifelt genug für viel Geld, das sie an eine Schleuserbande zahlten, die Flucht aus Afrika zu wagen. Eine ungeheure Anspannung war zu spüren, Angst, vielleicht nicht das rettende Ufer an der anderen Seite von Gibraltar zu erreichen. Dahin, wo sie sich alle eine neue Zukunft erhofften. Fatima versuchte durch den Nebel zu blicken, der die Landschaft gespenstisch erscheinen ließ. Die kleine Bootslaterne reichte nicht aus, irgendetwas erkennen zu lassen, der Bootsführer konnte sich wohl nur nach dem Kompass richten. Sie spürte die feuchte Kälte, die ihren Körper klamm und steif werden ließ. Es war Mitte April und das herrliche Frühlingswetter der vergangenen Tage hatte die Schleuser heute zur Überfahrt veranlasst.. Es ging plötzlich alles ganz schnell. Über die Straße von Gibraltar wollten sie Motril – eine kleine Hafenstadt in Andalusien erreichen. Die Küsten waren alle streng bewacht. Aufgegriffene Flüchtlinge wurden meist sofort wieder zurückbefördert – nach dem Schengen-Abkommen war das möglich. Alle hier hofften, nicht von der Guardia Civil aufgespürt zu werden. Sie dachte an Mohamed…. Daran, dass er vor vier Monaten versucht hatte, nach Europa zu gelangen um dort eine Arbeit zu finden und ein Heim für seine Familie zu schaffen. Danach sollten Fatima und Hassan nachkommen. Bei dem Versuch, mit einer Gruppe von Flüchtlingen an die Küste von Europa zu kommen, war er ertrunken. Um die Kontrolle einer Küstenwache zu umgehen, sahen sich die Schleuser damals gezwungen auf den Atlantik auszuweichen; wollten auf einer der Kanarischen Inseln anlegen. Der Wellengang im Pazifik war jedoch hoch und da die Patera zu viel an menschlicher Fracht geladen hatte, war das Boot in den Wellen versunken. Alle 55 Personen waren dabei ums Leben gekommen Fatima war anfangs sehr verzweifelt gewesen und wusste nicht, wie sie ihr Leben ohne ihren Mann gestalten sollte. Doch immer mehr reifte in ihr der Entschluss, nach Spanien zu gelangen. Sie hatte erfahren, dass Mütter mit Kindern nicht ausgewiesen wurden… sie wollte die Flucht versuchen. Nur so sah sie eine Chance zu überleben… ihrer schrecklichen Armut zu entkommen. Sie dachte an ihre Eltern, die zurückbleiben mussten. All ihre Ersparnisse hatten sie ihr gegeben, als sie schweren Herzens feststellen mussten, dass sich ihre Tochter, obwohl sie im sechsten Monat schwanger war und erst kürzlich Witwe geworden war, nicht von ihrem Fluchtplan abbringen lassen wollte. So wurde ihr und ihrem Sohn die Überfahrt möglich gemacht. Sie wusste nicht, wie lange sie schon durch die gespenstische Nacht gefahren waren; jedes Zeitgefühlt war ihr verloren gegangen. Sie wagte sich nicht zu bewegen, aus Angst, das Boot könnte kippen. Ihr kamen plötzlich Zweifel, ob es richtig war, sich und ihre Kinder so einer Gefahr auszusetzen…..sie wollte doch nur, dass ihnen ein besseres Leben ermöglicht wurde…Tränen liefen ihr die Wangen hinab, so viel hatte sich in ihr aufgestaut…sie musste stark sein, ihrer Kinder wegen. Grelle Lichtscheinwerfer umhüllten plötzlich das Boot und aus dem Lautsprecher eines Polizeibootes, das plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht war, wurden sie aufgefordert dem Schiff in den nahe liegenden Hafen von Algeciras zu folgen. Sie waren entdeckt worden… Die Flüchtlinge waren vor Unterkühlung und Erschöpfung kaum in der Lage, das kleine Boot alleine zu verlassen…zitternd folgten sie den Sanitätern, manche auf Tragbahren. Fatima versuchte die helfenden Hände, die sich ihr entgegen streckten zu erreichen, doch sie griff ins Leere ….ihr wurde plötzlich schwarz vor Augen. Sie erwachte in einem Bett einer provisorischen Krankenstation. Die Schwester – eine Afrikanerin – reichte ihr lächelnd einen Becher köstlichen Trinkwassers. „Du hast es geschafft!“, sagte sie leise…“ihr habt es geschafft!“, mit Blick auf Fatimas Sohn und ihren Leib. „Viele müssen wieder zurück….sie werden es sicher irgendwann wieder versuchen…- Ihr könnt bleiben. Ihr werdet hier Hilfe bekommen!“ Fatima schloss, von ihren Gefühlen überwältigt, für einen Augenblick ihre Augen…schaute in das Gesicht ihres kleinen Sohnes. Wie ein warmer Frühlingsregen, der ihr Herz wie eine Welle erfüllte, fühlte sie tiefes Glück und Dankbarkeit in sich aufsteigen…sie waren angekommen, der Neuanfang konnte beginnen. @Sonja Rabaza
17.2.14 10:21
 



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